2. Januar 2019


Nierenzellkarzinome
Operative Nieren(tumor)entfernung (Nephrektomie) bei Patienten mit metastasiertem Nierenzellkarzinom (RCC) – sofort oder verzögert ?

 Seit knapp 2 Jahrzehnten galt die baldige operative Entfernung der tumorbefallenen Niere nach Diagnosestellung auch bei Patienten mit Tochtergeschwülsten (Metastasen) als vorteilhaft für die Lebenserwartung der betroffenen Patienten. Mit der seit etwa 10 Jahren bestehenden Verfügbarkeit wirksamer Medikamente, speziell der enzymhemmenden Substanzen (Tyrosinkinaseinhibitoren)‚ die gegen den Botenstoff VEGF bzw dessen Rezeptor, VEGFR, gerichtet sind, ergab sich die Frage, ob die bisherige Strategie zur baldigen Nierentumorentfernung weiterhin gültig ist. Dieser Fragestellung wurde in 2 wichtigen klinischen Studien nachgegangen. In der randomisierten CARMENA Studie (Mejean A et al., N Engl. J Med 2018) wurde untersucht, ob bei Patienten mit metastasiertem Nierenzellkarzinom und intermediärem oder hohem Prognoserisiko eine alleinige medikamentöse Therapie mit Sunitinib oder eine sofortige Nephrektomie mit anschließender Sunitinib-Behandlung vorteilhafter ist. Als Ergebnis stellte sich heraus, dass eine alleinige medikamentöse Therapie mit Sunitinib der bisherigen Vorgehensweise mit vorheriger Operation nicht unterlegen ist. In einer weiteren, kleineren Studie (SURTIME) ( Bex et al., JAMA Oncol, 2018) wurde eine sofortige Operation mit nachfolgender Sunitinib Behandlung verglichen mit einer Strategie, zunächst mit einem VEGFR-Hemmstoff, Sunitinib, zu beginnen und eine Operation (Nephrektomie) erst später, bei Nachweis eines Tumoransprechens, durchzuführen. Hierbei zeigte sich, dass sich die Prognose der Patienten mit der Strategie einer initialen medikamentösen Therapie, gefolgt von Operation bei Therapieansprechen, gegenüber Patienten mit einer sofortigen Operation, gefolgt von Sunitinib, verbessern ließ. Eine sofortige Tumorperation (Nephrektomie) nach Diagnosestellung gilt seither nicht mehr als Standard der Therapie.